Wie der Bitcoin die Finanzwelt revolutionierte

6. September 2021 | #LuckeExperiences

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Als im Jahr 2010 ein Programmierer zwei Pizzen für 10.000 Bitcoins kaufte, hat dies kaum Erwähnung gefunden. Zwar handelte es sich hierbei um den ersten Kauf physischer Güter mit Bitcoins, aber damals war die neuartige Währung kaum jemandem geläufig.
Betrachtet man den Wert, den diese Menge an Bitcoins heute, knapp zehn Jahre später hat, wird schnell klar, dass der Bitcoin in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Als der Bitcoin nämlich am 14.April 2021 seinen bisherigen Höchststand von 54.238 Euro erreicht hat, hätte die damals gekaufte Pizza knapp 542 Millionen Euro gekostet.
Auch die Marktkapitalisierung von Bitcoins ist beeindruckend. Heute sind ca. 18,77 Millionen Bitcoins im Umlauf, womit sich der Gesamtwert aller Bitcoins auf etwa 755 Milliarden Euro beläuft (Stand 31. August 2021). Zum Vergleich: Der Gesamtwert aller sich im DAX befindlichen Unternehmen beträgt 1.245 Milliarden Euro.
Wenn man diese Zahlen betrachtet, wird jedem schnell klar: Der Bitcoin kann kaum mehr ignoriert werden und hat massiv an Bedeutung gewonnen. Aus einer kleinen Internetwährung, die anfangs nur belächelt wurde, ist eine ernstzunehmende Alternative zu herkömmlichen Währungen entstanden.


Aber wie konnte der Bitcoin so beliebt und erfolgreich werden?


Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass die maximale Gesamtmenge aller Bitcoins auf 21 Millionen begrenzt ist. Ein großer Vorteil gegenüber herkömmlichen Währungen, welche jederzeit von den Zentralbanken nachgedruckt werden können. Ähnlich wie bei Gold wird der Bitcoin deswegen auch hauptsächlich als Wertanlage genutzt.
Außerdem bietet der Bitcoin einen hohen Grad an Anonymität, ähnlich wie Bargeld. Ein Nutzer benötigt für eine Transaktion, lediglich die Adresse einer anderen Wallet. Insbesondere dieser Grund hat den Bitcoin zu einer beliebten Währung im Darknet gemacht.
Des Weiteren entsteht durch die zunehmende Wertsteigerung des Bitcoin ein wachsendes Medienecho, was das Thema Kryptowährungen einer größer und breiter werdenden Masse zugänglich macht.
Nicht zuletzt sind auch Unternehmen, welche den Bitcoin mittlerweile als Zahlungsmittel akzeptieren, sowie bekannte Milliardäre wie Elon Musk Gründe für den immer größer werdenden Hype.
Der letzte Faktor betrifft die zugrundeliegende Technik der Kryptowährungen, die Blockchain. Nahezu jede Kryptowährung funktioniert mittels dieser revolutionären Technik. Sie hat das Potenzial, die Banken- und Finanzwelt nachhaltig zu verändern, wobei die Auswirkungen aus Sicht der Banken im ersten Moment nicht gerade vorteilhaft erscheinen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass Banken innerhalb einer Blockchain nicht benötigt werden.


Schaffung einer Online-Währung wurde lange als unmöglich angesehen


Aber noch einmal von Anfang an. Geld versenden und Geld empfangen ist seit vielen Jahren mittels eines Kontos problemlos möglich. Wir vertrauen den Banken, dass sie eingehende Zahlungen wie unser Gehalt, auf unseren Konten verbuchen, oder auch die Anzahlung für den nächsten Urlaub an die Bank des Hotels schicken. Ein wesentlicher Zweck des Geldinstituts ist es hierbei sicherzustellen, dass die Beträge, die auf einem Konto eingehen, auch von dem anderen Konto abgezogen werden. Sie passen auf, dass die Menge des Geldes bei jeder Transaktion gleich bleibt, dass kein neues Geld von einem Nutzer erschaffen wird. Bei ihnen ist gespeichert, welche Person wie viel digitales Geld besitzt. Sie betreiben sozusagen den zentralen Server unseres Währungssystems.

Möchte man nun auf diesen zentralen Server, also die Bank, verzichten und stattdessen die Zahlungsinformationen auf vielen verstreuten Computern speichern, stößt man schnell auf einige Probleme. Wie sorgt man dafür, dass niemand die Zahlungshistorie manipuliert? Wie kann man fremden Nutzern im Netzwerk vertrauen?
Wie verhindert man, dass Zahlungen nicht nachträglich rückgängig gemacht werden oder dass neues Geld geschaffen wird?

Diese Probleme sorgten viele Jahre dafür, dass es als unmöglich angesehen wurde, eine funktionierende Online-Währung zu erschaffen. 2009 wurden alle diese Probleme jedoch durch die Erfindung der Blockchain gelöst. Doch wie funktioniert diese?


Blockchain-Manipulation kaum zu schaffen


Die Rolle der Bank kann man sich wie ein zentrales Buch vorstellen. Alle Transaktionen zwischen Nutzern des Systems werden in dieses Buch eingetragen. Bei der Blockchain-Technologie gibt es dieses Buch nicht mehr anstelle dessen erhält jeder Nutzer sein eigenes Buch. Wird nun eine Transaktion im Netzwerk durchgeführt, wird diese bei jedem Nutzer in jedem Buch eingetragen. Sollte es bei den regelmäßigen Vergleichsprozessen doch einmal zu Abweichungen kommen, wird die Transaktion für Wahr anerkannt, welche in mehr als 50 Prozent aller Bücher steht. Sollte ein Teilnehmer sich also Geld “ausdenken”, würde dies sehr schnell auffallen.

Betrachtet man die Funktionsweise im Detail, sieht der Ablauf wie folgt aus: Sobald eine Transaktion stattfindet, wird diese an alle Teilnehmer im Netzwerk übertragen. Diese validieren die Richtigkeit der Transaktion, indem sie prüfen, ob diese auf Basis der bisherigen Transaktionen überhaupt möglich war. Ist dies der Fall, wird die Transaktion dem aktuellen Block hinzugefügt. Zusätzlich zu den Transaktionen enthalten die Blöcke noch zwei Informationen, einen Hashwert und den Hashwert des vorherigen Blocks. Da jeder Block somit auf seinen Vorgänger zeigt, spricht man auch von der “Blockchain”. Ist ein Block voll, wird auf Basis dessen Inhalts ein Hashwert berechnet. Sollte nun eine Transaktion innerhalb des Blocks verändert werden, würde sich auch der Hashwert dieses Blocks verändern. Sollte dieser Block zum Zeitpunkt der Manipulation nachfolgende Blöcke haben, würden die nachfolgenden Blöcke nicht mehr mit dem manipulierten Block verbunden sein. Der Manipulator müsste also auch in jedem nachfolgenden Block den auf den vorherigen Block zeigenden Hashwert anpassen und einen neuen Hashwert für den Block berechnen. Dies wird zusätzlich dadurch erschwert, dass die Hashwerte unter bestimmten Grenzen liegen müssen. Im Bitcoin-Netzwerk beispielsweise dauert es aktuell ca. zehn Minuten, einen validen Hashwert zu berechnen. All diese Punkte machen die Blockchain zu so einer bedeutsamen Erfindung.


Viele Anwendungsbereiche denkbar


Es wird spannend zu beobachten sein, ob und in welcher Form die Finanzinstitute in den nächsten Jahren die Blockchain adaptieren. Da es sich beim Abbilden einer Kryptowährung nur um eine von vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten einer Blockchain handelt, wird es auch interessant zu beobachten, welche weiteren Anwendungsbereiche mit der Zeit entdeckt werden. Denkbar zum heutigen Zeitpunkt wären beispielsweise fälschungssichere digitale Ausweisdokumente oder auch digitale Eigentumsnachweise für physische Güter.
Wir als Lucke EDV haben uns zum Ziel gesetzt, das Voranschreiten der Blockchain-Technologie in der Finanzwelt nicht nur von der Seitenlinie aus zu verfolgen. Zwar haben diese Themen derzeit noch nicht die größte Aufmerksamkeit im Finanz- und Bankensektor, gewinnen aber zunehmend an Bedeutung für unser aller Leben. Wir möchten uns ein eigene Meinung bilden und uns aktiv an der Weiterentwicklung dieser Themen beteiligen.


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Ihr Ansprechpartner:
Oliver Diwisch – Java Entwickler – oliver.diwisch@lucke-edv.de

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