Corona-Krise: 5 Gefahren für die Ertragslage der Banken und ihre Folgen #LuckeSkills

8. Juli 2021 | #LuckeSkills

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Erkenntnisse


Das reale Bruttoinlandsprodukt im Euroraum ist im vierten Quartal 2020 erneut um 0,7 Prozent gesunken und lag damit 4,9 Prozent unter dem von der Pandemie noch unbeeinflussten Vorjahresniveau. Erst für die zweite Jahreshälfte 2021 wird ein Wiedereinsetzen des Wirtschaftswachstums erwartet.

Sowohl private Haushalte als auch Unternehmen erhalten nach wie vor Unterstützung durch finanzpolitische Maßnahmen. Angesichts der anhaltenden Pandemie und deren Auswirkungen auf Beschäftigung und Einkommen herrscht bei den Verbrauchern allerdings weiterhin Zurückhaltung.

Infolge des dramatischen Einbruchs (insbesondere 2020) wird es ein langer Weg, bis eine weitgehende Normalisierung auf dem wirtschaftlichen Vorkrisenniveau erreicht wird.

Diese Entwicklung wird sich aufgrund der folgenden fünf Gefahren auch auf die Ertragslage der Banken auswirken:


1. Pleitewelle im Firmenkundengeschäft


Gut ein Jahr lang hat die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht Unternehmen in der Corona-Krise vor einer Pleite geschützt. Seit 1. Mai 2021 greift dieses Instrument allerdings nicht mehr.

Im weiteren Verlauf des Jahres ist daher mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu rechnen, die sich auch in Form von Kreditausfällen bei den Banken bemerkbar machen wird. 

Die Banken mussten daher reagieren und haben die Risikovorsorge bereits massiv aufgestockt. Zusätzlich ist mit erheblichen Abschreibungen auf ausgefallene Kredite zu rechnen.


2. Privatinsolvenzen

Aufgrund von Entlassungen, Kurzarbeit und Ladenschließungen steigt für Privatkunden von Banken das Risiko, in eine Privatinsolvenz zu schlittern.

Es ist davon auszugehen, dass Arbeitsplatz- und Einkommensverluste sich zeitverzögert auswirken, da zunächst die eigenen Reserven aufgebraucht werden. Diese private Pleitewelle wird dann auch eine eher unübliche Klientel aus der Mittelschicht betreffen.

Die Banken müssen daher auch mit einer starken Zunahme von Kreditausfällen bei den Privatkunden rechnen. Zusätzliche Abschreibungen und eine Erhöhung der Risikovorsorge sind somit auch hier die Folge.


3. Abschreibungen auf Beteiligungen

Infolge der Corona-Krise müssen Banken mit hohen Bewertungsabschlägen im Beteiligungsportfolio rechnen, da Wertminderungen bei Beteiligungen und Firmenwerten zu erwarten sind.

Für Beteiligungen ist in diesem Zusammenhang eine Überprüfung der Werthaltigkeit insbesondere dann erforderlich, wenn ein Beteiligungsunternehmen aufgrund der Corona-Krise unter Druck gerät. Die Folgen lassen sich derzeit noch nicht vollständig beziffern, und es gibt weiterhin sehr viele Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Branchen. Gerade deshalb sind Banken gut beraten, wenn sie an dieser Stelle das „Vorsichtsprinzip“ anwenden und somit eine konservative Bewertung vornehmen.


4. Zinserträge brechen weg

Bei vielen Banken ist die Faustformel, dass der Zinsüberschuss die Verwaltungskosten abdecken soll, nicht mehr oder nur noch sehr knapp gegeben. Aufgrund der Corona-Krise wird sich dieser Trend weiter verstärken.

Die EZB wird die Leitzinsen auch auf mittel- bis langfristige Sicht nicht anheben, damit sich die hoch verschuldeten EU-Staaten weiter günstig refinanzieren können. Hinzu kommt, dass die Unternehmen weniger Investitionskredite nachfragen und sich verstärkt auf kurzfristige Kredite zur Sicherung der Liquidität fokussieren werden. Außerdem werden Stundungen bzw. Zugeständnisse gegenüber der Kundschaft ebenfalls zu geringeren Zinserträgen führen.


5. Einbruch bei Provisionserträgen

In der Vergangenheit konnte der schwächelnde Zinsüberschuss bei den Banken durch einen steigenden Provisionsüberschuss kompensiert werden.

Doch insbesondere durch die Lockdown-Maßnahmen im Zuge der Corona-Krise konnten weniger provisionsträchtige Geschäfte mit der Bankkundschaft abgeschlossen werden.

Aufgrund von Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit sind die Bankkunden insgesamt zurückhaltender und bevorzugen vermehrt kurzfristige Geldanlagen, die kaum Provisionsgeschäft generieren.


Welche Folgen ergeben sich für die Bankenlandschaft?

Bisher haben sich die Banken tapfer geschlagen, allerdings sind vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Gefahren die weiteren Aussichten eher düster.

Bereits im Vorfeld der Corona-Krise litten viele Banken an Ertragsschwäche, und auch die Vielzahl eingeleiteter Umstrukturierungsmaßnahmen konnte dies nicht nachhaltig ändern. Als einziger Ausweg blieb oftmals nur noch eine Fusion, was die folgende Übersicht eindrucksvoll zeigt:

Quelle: Deutsche Bundesbank

Dieser Konsolidierungsdruck wird sich durch die Corona-Krise noch weiter verschärfen und insbesondere das „Aussterben“ kleiner und mittelgroßen Banken beschleunigen.

„Damit unsere Banken auch mittelfristig stabil und rentabel bleiben, werden auch künftig unpopuläre Geschäftsentscheidungen wie die Schließung von Filialen und die Aufgabe von Eigenständigkeit notwendig sein“, sagt Joachim Wuermeling, das für Bankenaufsicht zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. „Banken werden auch vermehrt Negativzinsen an Kunden weitergeben und Gebühren erhöhen müssen“, betont Wuermeling.


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